Lebensberatung 

& Paartherapie

Der Personzentrierte Ansatz


Der Personzentrierte Ansatz, häufig liest man auch von der Personzentrierten Psychotherapie oder der Personzentrierten Gesprächsführung, ist zunächst mal ein Verfahren eben der Gesprächsführung. Die meisten Menschen haben sicherlich schon mal von dem Systemischen Ansatz, der Systemischen Beratung, der Systemischen Therapie gehört, aber Personzentriert?? Nie gehört!! Woran liegt es, dass der Systemische Ansatz dem Personzentrierten Ansatz derart die Show stiehlt? Nun, die Systemiker haben zugegebenermaßen das bessere Marketing, die breitere Öffentlichkeit, die lautere Lobby. Sei es ihnen gegönnt. Handelt es sich deswegen um den besseren Ansatz? Äh?? Nein!! Ich verstehe beide Ansätze keineswegs in Konkurrenz zueinander. Es handelt sich schlicht um unterschiedliche Verfahren, die auf verschiedenen Annahmen beruhen. Es existieren Gemeinsamkeiten, es existieren klare Unterschiede. So ist es nun mal. Darum soll es aber in diesem Text überhaupt nicht gehen. Ich schweife ab…

Der PZA wurde gegen Mitte des letzten Jahrhunderts von dem Psychologen und Psychotherapeuten Carl Rogers entwickelt. Und Rogers hat man jetzt vielleicht doch schonmal gehört. Zumindest rühmen sich gerne viele Vertreter anderer Schulen hiermit. Auch die genannten Systemiker oder diverse Deeskaltionstrainer betonen allzu gerne: „Jaja, wir machen ja auch ein bisschen Rogers…“. Ja, ein bisschen halt. Und auch nicht immer ganz richtig…

Rogers war Humanist und somit ist eben der PZA auch ein humanistischer Ansatz. Was bedeutet das nun für unseren Kontext? Das führt uns ganz einfach zu den Grundannahmen des Personzentrierten Ansatzes: Alles, was der Mensch zur Weiterentwicklung benötigt, hat er bereits in sich. Der Mensch weiß selbst, was das Beste für ihn ist. Menschliches Verhalten unterliegt der Aktualisierungstendenz. Der was? Der Aktualisierungstendenz. Diese besagt, dass der menschliche Organismus von Natur aus bestrebt ist, seine geistigen, körperlichen und seelischen Möglichkeiten zu erhalten und zu entfalten. In diesem Streben nach Erhalt und Weiterentwicklung des eigenen Repertoires ist der Mensch grundsätzlich sozial, rational und konstruktiv. Nun kann es aber auch zu Störungen dieses natürlichen, menschlichen Prozesses kommen. Menschen können in Not geraten, Krisen erleben, psychische Erkrankungen erfahren, so dass die natürlichen Kräfte des Menschen nicht mehr verfügbar, nicht mehr abrufbar erscheinen. Genau hier kann ein Personzentrierter Berater, ein Personzentrierter Therapeut zielgerichtete Hilfe leisten.

Was kennzeichnet nun konkret die Personzentrierte Beratung? Der Systemiker würde nun jede Menge Methoden mitbringen, zirkuläre Fragen stellen, vielleicht ein paar Skalierungsfragen, die berühmte Wunderfrage oder eine paradoxe Intervention präsentieren. Die Personzentrierte Beraterin benutzt keine Methoden. Sie bietet dem Klienten stattdessen eine authentische Beziehung an, die dieser frei zur eigenen Exploration nutzen kann, ohne hierbei in eine gewisse Richtung gedrängt zu werden, ohne für Gedanken und Aussagen be- oder verurteilt zu werden, ohne Lösungen, Ratschläge oder Tipps präsentiert zu bekommen. Der Klient erfährt in der Beratung bedingungslose Wertschätzung, Kongruenz und empathisches Verstehen. Diese drei Prinzipen des PZAs sind derart elementar und für den Erfolg einer Beratung unabdingbar, dass es sich lohnt hier nochmal mit der Lupe draufzuschauen:

Wertschätzung: Der Klient erfährt in der Beratung bedingungslose Akzeptanz. Er muss kein besonderes Verhalten präsentieren, muss sich nicht von einer besonders „guten“ oder „interessanten“ Seite zeigen. Er wird so angenommen und akzeptiert, wie er ist.

Kongruenz: Der Berater verhält sich echt. Er macht ein authentisches Beziehungsangebot. Er versteckt sich nicht hinter Methoden, Fachlichkeit, Therapiewissen. Er begegnet dem Klienten auf Augenhöhe, stellt echte Gefühle, Eindrücke, Gedanken zur Verfügung.

Empathie: Der Berater versteht den Klienten empathisch. Er kann die Gefühle, die Not des Klienten nicht nur rational verstehen und nachvollziehen, er kann die innere Welt des Klienten auf der Gefühlsebene erfassen.

Soweit, so gut. Aber wozu das Ganze, mögen Sie nun fragen. Nun, die Klientin fühlt sich erstmal verstanden, angenommen, wertgeschätzt. Sie macht die korrigierende Erfahrung, dass sie sich nicht verstellen muss, dass sie mit ihrer ganzen Person, mit ihren Merkmalen, Eigentümlichkeiten angenommen und überdies auch noch verstanden wird. Die Klientin erlebt ein Beziehungsangebot, in dem sie sich öffnen kann, in dem sie selbst explorieren kann, in dem sie eigene Inkongruenzen aufdecken und bearbeiten kann. Die Beraterin ermöglicht einen Kontakt, die die genannte Selbstaktualisierung wieder ermöglicht. Schließlich findet die Klientin durch die Personzentrierte Begleitung ihren eigenen Weg aus der Krise, findet eigene, für sich passende und geeignete Lösungen. Das entgegengebrachte Verständnis schafft eine erste Entlastung, der weitere Beratungsprozess unterstützt die Selbstexploration, die kritische Auseinandersetzung mit der aktuellen Situation, das Finden von eigenen Lösungen.

So, harter Bruch: Der Personzentrierte Ansatz hieß ursprünglich Klientenzentrierter Ansatz. Warum die Änderung vom Klienten zur Person? Um zu betonen, dass es eben nicht um eine spezielle Form der Profi-Klienten-Beziehung geht, sondern um einen Kontakt zwischen zwei Personen auf Augenhöhe. Zweiter Fakt: Der Personzentrierte Ansatz wird auch Non-Direktiver Ansatz genannt, was wohl für sich selbst spricht.

Und weil es gerade so schön passt, schließe ich diesen Text mit einem Rogers-Zitat, welches auf dieser Seite ebenfalls an anderer Stelle auftaucht, es passt aber gerade so gut. Die Wirksamkeit des PZAs ist gar nicht so leicht zu beschreiben und was ich hier in diesem Text wiedergegeben habe, ist ja auch eher theoretischer Natur. Eine Kollegin sagte mir neulich, dass man die Wirksamkeit einfach erleben müsse, die Theorie käme hier an ihre Grenzen. Dieses Zitat von Carl Rogers bringt nochmal schön auf den Punkt, was viele Worte nicht zu sagen vermögen: 


„Wenn Dir jemand wirklich zuhört. Wenn Dir jemand wirklich zuhört, ohne dich zu verurteilen, ohne dass er den Versuch macht, die Verantwortung für Dich zu übernehmen oder Dich nach seinen Mustern zu formen - dann fühlt sich das verdammt gut an. Jedes Mal, wenn mir zugehört wird und ich verstanden werde, kann ich meine Welt mit neuen Augen sehen und weiterkommen. Es ist erstaunlich, wie scheinbar unlösbare Dinge doch zu bewältigen sind, wenn jemand zuhört.“


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